Wissenswertes zu Versicherungen

business-man-1002781_1920-1Wesen und Struktur von Versicherungsverträgen

Versicherungen sind eine überaus sinnvolle und volkswirtschaftlich wichtige Dienstleistung. Ohne Versicherungsschutz wäre kaum ein Bauvorhaben finanzierbar und dem Einzelnen würde im Fall von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Invalidität Armut oder gar Verelendung drohen.

Gleichwohl ist es sinnvoll, sich die Funktionsweise und die Leistungsgrenzen von Versicherungen bewusst zu machen. So können Sie eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung darüber treffen, welche Risiken Sie versichern sollten (und warum) – und welche nicht.

Wie funktioniert eine Versicherung?

Versicherung ist definiert als „Deckung eines im Einzelnen ungewissen, insgesamt geschätzten Mittelbedarfs auf der Grundlage des Risikoausgleichs im Kollektiv und in der Zeit“.

Klingt kompliziert, ist aber recht einfach. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Haus für 500.000 € gebaut. Ein Brand könnte Ihr Haus vollständig zerstören. Sie wissen natürlich nicht, ob IHR Haus in absehbarer Zeit brennen wird oder nicht.

Statistisch lässt sich aber berechnen, dass pro Jahr („Zeit“) innerhalb einer größeren Gruppe von Häusern („Kollektiv“) ein bestimmter Prozentsatz abbrennt.

Die Versicherungsgesellschaft bildet also aus vielen Hausbesitzern ein Kollektiv und errechnet für jeden Hausbesitzer einen Versicherungsbeitrag („insgesamt geschätzten Mittelbedarfs“). Dieser Beitrag ist so berechnet, dass daraus die Schäden für diejenigen Hausbesitzer getragen werden können, deren Haus leider tatsächlich abgebrannt ist („Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit“) .

Doch sind im so errechneten Versicherungsbeitrag nicht nur die Kosten für Schäden enthalten, sondern einiges mehr:

  • Risikozuschläge um Rücklagen für außergewöhnlich schadenträchtige Jahre bilden zu können
  • Verwaltungskosten
  • Vermittlungskosten (Provisionen)
  • Versicherungssteuern
  • Gewinne des Versicherers

Nur ein Teil des Versicherungsbeitrages wird also tatsächlich wieder für Schäden aufgewendet.

Es scheint also sinnvoller, selbst einen bestimmten Geldbetrag anzusparen, aus dem dann Schäden finanziert werden. So spart man die im Versicherungsbeitrag enthaltenen „Nebenkosten“.

ABER: Versicherungsschutz haben Sie in der Regel sofort und in voller Höhe der Versicherungssumme, während in Ihrem persönlichen „Versicherungs-Sparvertrag“ zu Anfang nur sehr geringe Beträge sein werden.

Es gilt also die Faustregel:

Je größer die Schadensumme sein kann, desto sinnvoller ist eine Versicherung. Ab einer bestimmten Schadenhöhe ist es voraussichtlich wirtschaftlicher, einen Schaden aus eigener Tasche zu zahlen und nicht zu versichern.

Nach dieser Faustformel ergibt sich häufig folgende „Reihenfolge“, in der bestimmte Gefahren versichert werden sollten:

  1. Gefahr von Schadensersatzansprüchen aus der gesetzlichen Haftpflicht (unbegrenzt)
  2. Verlust der Arbeitskraft und Gesundheit (ggf. Millionen Euro, bis zum Rentenalter)
  3. Tod (ggf. Millionen an Einkommensverlust, den Nachkommen zu tragen hätten)
  4. Verlust eines Hauses (je nach Wert)
  5. Verlust von Hausrat (je nach Wert)
  6. Verlust eines Kfz (je nach Wert)
  7. Verlust sonstiger Vermögenswerte (je nach Wert)
  8. Kosten eines Rechtsprozesses (bei hohem Sicherheitsbedürfnis)

Folgende Schäden können Sie ggf. aus eigener Tasche zahlen, weil die Schadensummen oft überschaubar sind:

  1. Verlust von Reisegepäck
  2. Rücktritt von einer gebuchten Reise
  3. Glasbruch
  4. Beschädigung von Elektrogeräten (Handys)

Ob Sie eine Versicherung abschließen sollten hängt auch von Ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen ab: Der eine kann den Verlust eines seiner teuren Luxus-Kfz vielleicht spielend verkraften, während ein anderer durch den Verlust seines Gebrauchtwagens im Wert von 10.000 Euro in massive Schwierigkeiten käme.

Sonderfall: Kapitalbildende Versicherungen

Zur Altersvorsorge bieten wir natürlich auch Kapital-Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen an. Da aber das Rentenalter vorhersehbar und berechenbar ist, handelt es sich bei einer „Rentenversicherungen“ streng genommen gar nicht um eine Versicherung, sondern um einen Sparvertrag. Das hierbei angesammelte Geld wird später als Rente ausgezahlt.

Kapitalbildende Versicherungen lassen sich allerdings mit einer Reihe von Zusatzversicherungen versehen, zum Beispiel bei:

  • Tod
  • Berufs-/Erwerbsunfähigkeit
  • Eintritt schwerer Krankheiten
  • Unfall